Hier nochmal die deutsche Version eines schon etwas älteren Eintrags über den West Highland Way, der in meinem anderen Blog eigentlich nichts zu suchen hat…
Der West Highland Way (WHW) ist 152km (95 Meilen) lang, die wir in 8 Tagesetappen von Süden nach Norden gewandert sind.
Etappe 1: Milngavie nach Drymen (~18km)
Der WHW beginnt in Milngavie (gälisch korrekt ausgesprochen [mɪlgaɪ] oder [mʌlgaɪ]) an einem Obelisken (siehe Foto rechts) in der “Fußgängerzone”, verläßt aber schnell den Ort. Es folgt eine angenehm flache und einfache Etappe bei der man sich an den schwere Rucksack gewöhnen kann.
Wir haben Glück, daß die Wolkenfront, die den ganzen Tag hinter uns herzieht, es nicht schafft uns einzuholen. So können wir bei unserer ersten kurzen Pause am Craigallian Loch den Sonnenschein geniessen. Leider sollte es die letzte soche Gelegenheit für die nächsten paar Tage werden. Der Weg führt weiter an einem Wäldchen und einem weiteren Loch vorbei (Carbeth Loch) und folgt dann mehr oder weniger dem Blane Water. Zur Rechten sieht man hier die Glengoyne Distillery (hier endete mein erster Besuch des WHW als ich 2003 für ein verlängertes Wochenende nach Glasgow geflogen bin).
John & Julia Cross
Drymen, Stirlingshire, G63 0DN
Tel: 01360 660893
Fax: 01360 660282
Den Rest des Tages passiert wenig Spannendes. Am Abend bin ich aber trotz der einfachen Etappe ziemlich am Ende, unter anderem, weil ich viel zu viel Wasser mit mir rumgeschleppt habe (abends waren noch etwa 2 von 4 geschleppten Litern übrig). Wir übernachten bei der Easter Drumquhassle Farm, einem winzigen Campingplatz vor Drymen. Dort gibt es für schlechteres Wetter auch 2 Wigwams (pyramidenförmige Holzhäuschen) und eine relativ große Scheune mit Kochstelle und Duschen. Während wir unser Abendessen genießen, erreicht ein weiterer Deutscher den Campingplatz und stellt sich als Karsten vor. Er wandert den WHW allein und schleppt noch mal gut 5kg mehr als jeder von uns.
Etappe 2: Drymen to Rowardennan (~26km)
Zusammen mit Karsten machen wir uns in ströhmendem Regen auf den Weg. Es hätte eine angenehme Wanderung werden können, zumindest sieht die Umgebung recht nett aus, doch der permanente Regen verdirbt einem schnell die gute Laune.
Nach ein paar Kilometern überholen wir noch Dirk, einem weiteren Deutschen, der mit Karsten zusammen erstmal Pause macht. Die beiden holen uns aber schon in Balmaha wieder ein, wo wir im Schutz einer überdachten Bushaltestelle eine Suppe kochen um uns etwas aufzuwärmen und aufzumuntern. Nach einer zu langen Pause raffen wir uns wieder auf und trotten weiter.
Die Stimmung sinkt jedoch mit jedem Schritt und die letzten zwei Stunden waten wir nur noch stur durch den Schlamm - mit Spaß hat das Ganze nichts mehr zu tun. Als wir dann aber endlich in der Jugendherberge in Rowardennan ankommen sind Carsten und Dirk schon da, sichtlich erschöpft, und daß obwohl sie die letzten Kilometer per Anhalter gefahren sind.
syha.org.uk
Ruhetag: Ben Lomond
Die erste Hälfte des Tages ist mit mir nicht viel anzufangen und es kostet schon Überwindung sich zusammen mit Karsten und Dirk die paar Meter von der Herberge bis zum Pub im Dorf zu bewegen. Doch als nach einem Burger und einem Guiness auch noch das Wetter etwas besser wird, klingt die Idee noch schnell den Ben Lomond (Schottlands südlichsten Munro mit 3,192ft = 974m) zu besteigen, doch nicht mehr so schlecht.
Während des Aufstiegs über die Ostseite sind wir zwar die ganze Zeit dem starken Wind ausgesetzt, doch das Ganze wir mit einer tollen Aussicht über das südliche Ende von Loch Lomond belohnt. Diese ist auch bei miesem Wetter noch sehenswert. Runter nehmen wir dann den etwas längeren Weg, der dafür auch deutlich entspannter ist.
Etappe 3: Rowardennan nach Inverarnan (~20km)
Auf der Karte sieht die heutige Etappe nicht nach besonders viel Anstrengung aus, doch leider ist die Realität anderer Meinung. Der Weg geht permanent ein paar Meter bergauf und dann wieder bergab - vom Dauerregen glitschige Steine machen das Ganze nicht angenehmer. Zumindest für mich ist diese Etappe die anstrengendste der WHWs.
Nach ungefähr 10km rasten wir in Inversnaid im gleichnamigen Hotel, das heiße Getränke und Kuchen zu aktzeptablen Preisen serviert. Die warme Umgebung und die bequemen Sessel machen es schwer, sich wieder aufzuraffen. Doch als der Regen scheinbar nachlässt, machen wir uns wieder auf den Weg.
Schon nach kürzester Zeit wird aber klar, daß der Regen keineswegs vorhat nachzulassen und so freuen wir uns um so mehr, als wir nach weiteren 5km beim Doune Boothy (einem kleinen Steinhäuschen) ein brennendes Kaminfeuer vorfinden. Nach wenigen Minuten tauchen auch die Verantwortlichen auf, zwei etwa 15jährige Jungs die von ihrem Vater hier übers Wochenende abgesetzt wurden. Wir bleiben noch etwa eine Stunde, wärmen uns wieder auf, wechseln ein paar Kleidungstücke und trockenen die anderen, bevor wir wieder weitergehen.
Mr and Mrs J Palmer
Inverarnan, Ardlui G83 7DX
01301 704281
An unserem Tagesziel Beinglas Farm versuchen wir noch ein Bunkhouse zu ergattern, doch hatten dank des miesen Wetters auch schon genug andere vor uns diese Idee und so müssen wir doch das Zelt aufschlagen. Hier gibt es auch einen kleinen Laden, der aber alle wichtigen Dinge, die man als Camper/Walker so braucht, zu nicht besonders überteuerten Preisen verkauft.
Um die Strapazen des Tages zu vergessen, gehen wir am Abend in den nahegelegenen Pub Drover’s Inn. Die gemütliche Atmosphäre sorgt dafür, daß man schnell die überzogenen Preise vergißt und vielleicht wie ich ein paar Guiness zu viel trinkt
Etappe 4: Inverarnan nach Tyndrum (~20km)
Wegen des schon beschriebenen Besuches im Drover’s Inn brauche ich am nächten Morgen die ersten 10km, um wirklich aufzuwachen. Für Motivation sorgte die Tatsache, daß wir zur Mittagszeit die Hälfte des gesammten WHW geschafft haben. Aber trotzdem kommt mir die ganze Etappe deutlich länger vor, als sie eigentlich war.
Wir übernachten in Tyndrum im Tigh Na Fraoch Bed and Breakfast, daß ich nur weiterempfehlen kann: eine sehr nette Vermieterin, eine große Badewanne (über die sich mein Rücken sehr gefreut hat) und ein leckeres Frühstück mit frischer Forelle, die am Tag zuvor vom Sohn der Vermieterin gefangen wurde.
Etappe 5: Tyndrum nach Inveroran (~15km)
Die erste kürzere Etappe unserer Tour, die auch wie im Flug vergeht. Das erste mal seit ein paar Tagen sehen wir teilweise blauen Himmel und sofort bessert sich auch die Stimmung. Eigentlich hatten wir geplant, nur 10km bis Bridge of Orchy zu gehen. Doch die Bunkhouses am Bahnhof sind schon alle vergeben, das Hotel ist überteuert und der Campingplatz ist von Millionen von Schnaken bevölkert. So entschliessen wir uns nach einer ausgiebigen Pause, noch 5km bis zum Inveroran Hotel zu wandern.
inveroran.com
Die Entscheidung wird mit einem wunderschönen wilden Campingplatz in der Biegung eines Bachs belohnt, ein paar hundert Meter vom Inveroran Hotel entfernt. Beim Hotel gibt es auch Toiletten, Trinkwasser für Wanderer und die Walkers Bar, eine gemütliche Kombination aus Bar und Coffeeshop.
Etappe 6: Inveroran nach Kingshouse (~15km)
Eine weitere angenehm kurze Etappe mit wunderschöner Aussicht. Bei unserer langen Mittagspause werden wir von einer Gruppe gequält blickender deutscher Schüler überholt. Als wir die Gruppe am Abend im Pub von Kingshouse wiedertreffen, erfahren wir unter anderem, daß sie zwar nur einen Teil des WHW wandern aber daß viele davon sich trotzdem nicht im Klaren darüber waren, was auf sie zukommt als sie sich zu der Wanderung angemeldet haben
Übernachten tun wir diesmal auf einem wilden Campingplatz hinter Kings House Hotel. Diesen haben wir gegen 2 Uhr nachmittags erreicht und hatten endlich mal wieder ausgiebig Zeit, uns zu entspannen, das mehr oder weniger gute Wetter zu genießen und unsere Füße zu pflegen.
Etappe 7: Kingshouse nach Kinlochleven (~15km)
Martin & Margaret Reece
Fort William Road, Kinlochleven
Argyll PH50 4QL
Tel: 01855 831539
Fax: 01855 831416
www.macdonaldhotel.co.uk
whw@macdonaldhotel.co.uk
Diese Etappe führt über die berüchtige “Devil’s Staircase”, ist aber nicht annähernd so schwierig, wie es der Name schließen läßt. Der Name kommt angeblich von den etwa 400 Soldaten, die hier schufften mußten um die Stufen in den Fels zu schlagen. Der Anstieg ist zwar steil, aber der Weg ist in einem sehr guten Zustand und man hat eine wunderschöne Aussicht Richtung Glen Coe.
Hier erreicht man den höchsten Punkt des WHW mit 548m. Nun geht es endlos lange bergab, bis man vorbei an mehreren übergroßen Wasserrohren an einem Kraftwerk in Kinlochleven ankommt.
Die Stadt verdankt ihre Größe einem Aluminiumwerk, das allerding im Jahr 2000 geschlossenen wurde. Hier gibt es auch das erste Mal seit drei Tagen wieder einige Läden, bei denen wir unsere Vorräte aufstocken können.
Es gibt auch mehrere Campingplätze zur Auswahl, wir entscheiden uns für den hinter dem MacDonald’s Hotel, bei dem man sogar ein Frühstück für den nächsten Tag bestellen kann (was wir aber nicht machen). Am Abend und nächsten Morgen wird die Richtigkeit unsere Auswahl mit einem wunderschönen Ausblick über das Loch bestätigt.
Etappe 8: Kinlochleven nach Ft.William (~22km)
syha.org.uk
Damit wir den WHW nicht in allzu guter Erinnerung behalten, gibt es am letzten Tag natürlich nochmal das volle Programm an Schottischem WetterTM, strömenden Regen und fast konstanten Gegenwind. Wir sind froh um jede Gelegenheit, nicht im Wind zu stehen.
So ist uns auch die Gefahr egal, als wir nach einigen Kilometern rechts neben dem Weg ein Häuschen mit der Warnung, es sei Einsturzgefärdet, sehen, und wir machen dort kurz Pause.
Auch auf dem Rest des Weges gibt es keine sinnvolle Möglichkeit zu rasten. Nach etwa 15km schlagen wir uns in ein kleines Tannenwäldchen und kochen dort einigermaßen geschützt einen Tee, um uns für das letzte Stück zu motivieren. Der finale Abstieg nach Ft. William ist ähnlich dem nach Kinlochleven. Ewig zieht sich der Weg, wobei es hier bei schönem Wetter (vielleicht - wir konnten es nicht sehen) eine gute Aussicht auf Ben Nevis gibt. Die letzten paar Meter auf einem befestigten Weg zur Jugendherberge sind eine ziemliche Qual, aber nach einer Dusche sieht die Welt schon viel besser aus und so machen wir uns am Nachmittag ohne Rucksack auf den Weg nach Ft. William, um auch wirklich das Ende des WHWs zu erreichen.
Orientierung
Der WHW ist sehr gut beschildert und man könnte den Weg wahrscheinlich auch ohne die Hilfe einer Karte gehen. Ich kann mich an keine Stelle erinnern, an der wir unbedingt eine Karte gebraucht hätten. Dabei hatten wir West Highland Way Guide von Charlie Loram und die West Highland Way Karte von Harvey Maps.
Zusätzlich hatten wir (==Ute) ein GPS dabei, daß aber mehr zur Motivation als zur Navigation benutzt wurde. Mein Kompass wurde auch nur einmal ausgepackt, als wir oben auf Devil’s Staircase versucht haben, Ben Nevis anzupeilen.
Leute
Wir haben einen Haufen nette Leute kennengelernt, unter anderem:
- Dirk und Karsten, die beiden den WHW alleine wanderten und noch deutlich mehr zu schleppen hatten als wir, ich kann mir nur vorstellen wieviel anstrengender es für die beiden war…
- Ein witziges Pärchen aus Leeds, die wir in JEDEM Pub unterwegs getroffen haben
- Laure aus Bordeaux, die auch alleine unterwegs war.
- Die Schulklasse aus der Gegend von Würzburg.
- Den Deutschen, der in der Jugendherberge in Rowardennan arbeitet (Danke für das Viererzimmer, daß wir zu zweit bekommen haben!)
- Einen verückten Jogger, der wahrscheinlich für das West Highland Way Race trainiert, den wir in der Nähe des Doune Boothy gegen 17 Uhr getroffen haben. Er sah aus, als wäre er schon von Milngavie aus unterwegs und er meinte, sein Tagesziel sei das noch etwa 25km entfernte Tyndrum.
- Heather vom BnB.
- Die nette Crew des Glen Nevis YH.