Es ist schon komisch, wenn man mitten in der Nacht putzmunter aufwacht und sich wundert, wieso es draussen nicht hell ist. Und warum es regnet, aber das war nur das Geraeusch des Rasensprengers.
Vor dem Fruehstueck ist die Welt noch in Ordnung. Zum Fruehstueck gibt es Orangen aus dem eigenen Garten. Danach begucke ich den Rucksack naeher. Und beschliesse, NIEMALS, NEVER EVER AGAIN isotonisches Getraenkepulver (ja, das mit echtem Zucker drin) mitzunehmen. Egal wie nahrhaft das Zeug ist. Das die geoeffneten Dosen sich nicht wieder richtig verschliessen lassen, hatte meine Bessere Haelfte ja schon im Fruehjahr in Irland ausprobiert. Dass aber die frisch gekauften, originalverschlossenen Dosen einfach so aufgehen, finde ich ein ziemlich starkes Stueck. Und es ist wirklich erstaunlich, wie es das Zeug schaft, sich auch bis in den letzten Winkel des Rucksackes, sogar bis in die Packsaecke und zusammengelegten Struempfe hinein, zu verbreiten. Das Buch, was im Rucksack war, klebt ganz furchtbar und sieht sehr aufgequollen aus. Der Papierumschlag, den ich immer vorsorglich um die Buecher mache, hat hier nur dazu gefuehrt, das das eklige Zeug noch besser am Buch haftet. Zum Glueck haben die Amis ja schoen schnelle Waschmaschinen, und ich brauche noch nicht mal Waschmittel, weil ja alles wasserloeslich ist. Und in der kalifornischen Sonne sollte es ja auch schnell wieder trocken werden (vielleicht haette ich die beiden Tueten mit Haferflocken trotztdem besser nicht abspuelen sollen…). Weil ich sonst nichts zum anziehen habe, rieche ich aber erst mal wie ein Zitronenbaum.
Von der kalifornischen Sonne ist erst mal noch nichts zu sehen, denn hier gibt es fast immer morgens Nebel.
Als ich endlich fertig bin mit Waesche aufhaengen und Rucksack duschen, ist die Sonne aber auch da, und ich mache mich mit einem geliehenen Fahrrad (das uebrigens viel leichter und toller faehrt als meins zuhause, obwohl es durchaus nicht so teuer aussieht) auf den Weg in die Stadt. Mein Kumpel hat auf dem Stadtplan die wichtigen Punkte markiert: sein Haus und zwei Outdoor-Laeden. Anders als in den meisten amerikanischen Staedten ist hier alles in Fahrrad-Entfernung erreichbar. Dieses outdoor-maessige Trockenfutter, dass es hier in der Tat in wesentlich mehr Varianten und farbenfroher Verpackung gibt, ist allerdings nicht ganz billig. Und “serves 2″ heisst laut Verkaeuferin nicht unbedingt “reicht fuer zwei ausgehungerte Wanderer, die den ganzen Tag nur Muesliriegel gegessen haben”, also kaufe ich fuer jeden Tag fuer jeden eine Packung “serves 2″. Und eine Flasche “biodegradable Soap”, mit der man sich selber, seine Haare und alles andere, was gewaschen werden muss, waschen kann.
Jetzt geht’s zum Sightseeing auf den Wharf, ein paar Postkarten kaufen und ein bischen in der Sonne sitzen. Wegen des Seewindes wird mir das dann aber zu kuehl. Wie von Mitbewohner meines Kumpels empfohlen fahre ich dann in einem Rundweg zum Hafen. Dort gibt’s zum Mittagessen Fish Tortillas mit Eistee. Sehr empfehlenswert. Der Rundweg geht weiter am Strand entlang und dann rechtwinklig landeinwaerts und bergan. Gleich wird es viel zu warm in der Sonne. Zum Glueck ist es nicht mehr weit bis zum Haus. Da kann ich mich beim Postkarten-Schreiben auf der Terasse in den Schatten setzen, Melone essen und kuehles Wasser schluerfen. Und diesen Beitrag schreiben.
(Update 2006-09-11: Tippfehler korrigiert)