Langsam wird’s zu kompliziert für “mein Kumpel” und “mein zweiter Kumpel” - also der eine, der in St. Barbara wohnt, heißt Vince und der zweite, der auf der Stringtheorie-Konferenz war, heißt Physi.
Wir haben also Physi abgeholt und sind dann noch zum Tanken gefahren,
Die mitgebrachten Brote sind bald aufgegessen, aber zum Glück liegt die Stadt Visalia auf dem Weg, und die scheint hauptsächlich aus Fastfood-Läden zu bestehen. Also rein ins Taco Bell, ein Muß für jeden Freund mexikanischer Küche (für mich jedenfalls).
In Squaw Valley haben wir ein Zimmer mit 2 großen Betten und eine sehr aufdringlichen Katze, die nur durch Physis beherztes Zugreifen aus dem Zimmer zu kriegen ist. Physiker hatten schon immer eine besondere Beziehung zu Katzen ![]()
Es gibt Frühstück zum selbermachen mit Toast, Marmelade, Kuchen und Melone. Um 8 sind wir unterwegs in den Kings Canyon. Abgesehen davon, daß es auf 2000m im offenen Auto doch recht kalt ist, ist der flotte Wagen gut für die kurvige Bergstraße geeignet, und wir sind bald an der Ranger Station “Roads End”. Da werden noch 2 Bärenkanister gemietet (der Laden hatte gestern keinen mehr, und ein weiterer allein hätte sowieso nicht gereicht) und alles in die Rucksäcke gequetscht. Physi und ich teilen uns das Zelt, dafür trägt Vince 2 Kanister. So rein gefühlsmäßig würde ich sagen, mein Rucksack wiegt noch unter 20 Kilo.
So, jetzt zum outdoor-mäßigen Teil des Berichtes. Der Kings Canyon ist eine Schlucht, durch die - wer hätte das gedacht - der Kings River fließt. Die Felsen sind aus Granit, und oft sind es Platten - gut für Reibungsklettern. Anfangs sieht man wegen der vielen Bäume nicht so viel von den Felsen, aber die Schlucht steigt dann rasch an (wir laufen entgegen der Fließrichtung). Irgendwie heißt der Fluß dann plötzlich Bubbs Creek. Jedenfalls sieht man von weiter oben die Felsen besser. Auf einer Brücke wollen wir ein bischen gucken und ausruhen, als eine Gruppe von 3 Männern mit 12 Maultieren vorbeikommt, die die Brücke für sich allein haben will. Nagut. Kurze Zeit später haben wir die Maultiere wieder eingeholt, weil sie sich offenbar hoffnungslos verheddert haben und erst mal entwurschtelt werden müssen. Überholen geht auf dem schmalen Pfad nicht, der sich in Serpentinen die Schlucht hoch schlängelt. Aber die Zwangspause stört nicht wirklich, und wir warten im Schatten unter dem einzigen Baum in der Nähe.
Ein paar Serpentinen weiter haben wir die Maultiere wieder eingeholt, weil - nein, diesmal nicht verheddert, sondern eins hat die Ladung verloren. Wieder warten. Gute Gelegenheit, die Wanderstöcke auszupacken.
Bald danach haben wir 2/3 Pause - 2/3 der Höhe bis zum Avalanche Pass! Aber bis dahin werden wir’s heute nicht mehr schaffen - liegt natürtlich nur daran, daß wir ständig auf die Maultiere warten mußten! Auf ca. 2600m schlagen wir unser Lager auf, an der Upper Sphinx Creek Campsite. Man darf zwar im Prinzip campen, wo man will, aber man darf nur schon vorhandene Feuerstellen benutzen, und es ist außerdem nicht so einfach, hier eine ebene Fläche zu finden, die groß genug für ein Zelt ist. Also empfiehlt es sich, einen der im Wanderführer angegebenen Plätze zu verwenden (die sich außer durch die Feuerstelle und die freie Fläche durch nichts von der Umgebung unterscheiden). Man darf nicht zu dicht am Wasser campen und man muß die Bärenkanister mindestens 30m vom Zelt entfernt lagern und die Klo-Stelle auch etwas entfernt einrichten. Klopapier entweder verbrennen oder mitnehmen - zum Glück sind wir hier noch unter 3000m, oberhalb darf man kein Feuer mehr machen.
Die Nacht verläuft ereignislos bis auf ein Schnüffelgeräusch, das Vince und mich aus dem Schlaf aufschreckt. Ein Bär oder gar ein Puma?! Nein, nur unser Zeltmitbewohner…
Zusammenfassung:
Strecke: etwas über 11 km (hatte zwischendurch für einige Zeit das GPS ausgeschaltet)
Höhendifferenz: von 1500m auf 2600m: 1000 Höhenmeter.
Zeit (incl. Pausen): 5 Stunden