Wenn wir heute über den Pass kommen, können wir schon morgen wieder am Auto sein! Dann könnten wir in aller Ruhe zurück nach St. Barbara fahren und noch eine Weinprobe machen… Der Pass ist nicht mehr weit weg – wir waren gestern näher dran gegangen als eigentlich beabsichtigt, weil auf der Karte die Höhenangabe am Pass nicht den Pass, sondern den Gipfel des Mount Ericson beschrieb und wir dachten, wir hätten es noch weiter. Also munter alles zusammengepackt und losmarschiert. Es geht mehr oder weniger Querfeldein über Geröllfelder, ein Weg ist meist nicht zu erkennen. Dafür sehen wir noch einen Hirsch, und wir werden von einem Murmeltier beobachtet, das es wohl interessant findet, wer da so alles an seiner Wohnung vorbeiläuft.
Oben am Paß ist es sehr windig und kühl, von dem guten Wetter heute morgen ist nicht mehr viel zu sehen. Doch, wir machen ein Passfoto. Immerhin regnet es nicht. Der Paß ist auf der anderen Seite tatsächlich sehr steil (gucken wir lieber nicht so genau hin). Der Weg soll irgendwo rechts der niedrigsten Stelle verlaufen, und da finden wir das angekündigte Schneefeld (wo unten zwei Menschlein stehen, die etwas ratlos zu uns raufgucken). Das Schneefeld hat eine Neigung von 60° – das ist die durchschnittliche Neigung der Eiger Nordwand. Da kommt man nicht runter, zumindest nicht kontrolliert
. Daneben an den Felsen könnte man im Prinzip runterklettern, in der Realität sind die Steine aber alle so locker, daß man 1. sich nicht vertrauensvoll dran festhalten kann und 2. dem Vordermann alles auf den Kopf fiele, was der hintere lostritt. Also nochmal links weiter gucken. Da gäbe es eine Möglichkeit, runterzuklettern und dann auf einem Geröllfeld weiterzugehen, wo man von oben auch einen Pfad erkennt. Nur mit dem Klettern ist es so eine Sache, wenn man einen 20kg-Rucksack mit sich herumträgt. Außerdem kann man von oben nicht erkennen, wie genau man klettern müßte und ob es hinter der nächsten Felskante überhaupt weitergeht. Also lassen wir das mal lieber. Wird wohl nix mit der Weinprobe.
Zum Glück ist der Forrester Pass, der Teil des offiziellen Weges ist, nur ein Tal weiter, also müssen wir ur einmal über den Bergrücken neben uns und schon sind wir da. Na ganz so einfach wird es nicht, abe wir kürzen jedenfalls den offiziellen Weg ab, indem wir tatsächlich quer über den Bergrücken gegehn, so daß wir heute eigentlich eine körperlich sehr wenig anstrengende Etappe haben. Dafür begleitet uns ein heftiger Hagelschauer beim Abstieg vom Pass und in der Ferne grummelt es schon wieder. Nach unserer Abkürzung treffen wir auf den John Muir Trail, einen Weitwanderweg von Mexiko bis nach Kanada. Angeblich sehr belebt, aber bei dem Wetter hatte wohl niemand Lust auf einen kleinen Spaziergang. Kurz unterhalb des Forrester Passes machen wir wieder mal eine Gewitterschutz-unter-der-Zeltplane-Pause, und dann hat keiner mehr recht Lust, noch weiter zu gehen und wir bauen das Zelt an Ort und Stelle auf.
Die wasserfesten Streichhölzer sind scheinbar nicht nur wasser- sondern auch feuerfest, und die beste Methode, den Kocher in Gang zu setzen, besteht darin, zuerst durch vergelbliche Versuche ca. 10 Streichhölzer zu zerbrechen und dann das 11. mit dem Feuerzeug anzuzünden (man sollte immer eine Streichholzlänge Sicherheitsabstand zwischen seinen Fingern und dem Benzinkocher lassen und den Kocher nicht direkt mit dem Feuerzeug anzünden). Wegen des kalten, feuchten Wetters wird diesmal im Zelt gegessen (Feuer gibt es wegen der Höhe auch keins). Ein trüber Tag, aber es kann ja nur besser werden.
Zusammenfassung:
Strecke: laut GPS 13 km
Profil: Lake South America 3600m -> Harrison Pass 3780m -> John Muir Trail 3500m -> Zeltplatz 3630 m
Höhenmeter: 310m hoch, 280m runter
Zeit: 6 Stunden 30 Minuten (einschl. Pausen und Abstiegsversuche am Harrison Pass)