Sequoia VIII - Lake South America

Die Tradition, an jedem Tag einen Paß zu überqueren, werden wir heute nicht fortsetzen können. Dazu ist der nächste Pass auf unserer Route, der Harrison Pass, mit fast 3800m zu hoch und außerdem zu weit weg. Aber wir geben unser bestes und machen uns früh auf den Weg. Wir sparens uns sogar das Auffüllen der Wasserflaschen und laufen mit sehr leichten Rucksäcken los. “Wir kommen ja dann gleich wieder an den Fluß und können die Flaschen dort auffüllen.” - Gleich ist eine Weile später, aber da finden wir eine schöne Stelle zum Waschen und Wasser-Filtern. Kurz danach erreichen wir Junction Meadow. Am Wegweiser hat jemand mit Stöckchen ein Nachricht auf den Boden gelegt (spannend, nicht wahr) - aber leider ist sie etwas durcheinandergekommen und nicht mehr entzifferbar. Nach uns steht dort jedenfalls E=mc². Der Weg steigt stetig aber schwach an und ist recht einfach. Er verläuft entlang des Kern River, der im Wandereführer als “scenic wild river” beschrieben ist - stimmt auffallend. Hier sehen wir das erste mal ein Tier, das wesentlich größer ist als eine Steckmücke (naja, ein paar Vögel unterwegs nicht mitgezählt): eine Hirschkuh. Eine kurze Mittagspause mitten auf dem Weg und eine etwas längere später auf sonnenwarmen Felsen, über die der Fluß wie auf einer Wasserrutsche runterfließt. Scenic.
Wir sind jetzt schon wieder oberhalb der Höhe, bis zu der Feuermachen erlaubt ist (10000 Fuß = 3000m). Der Weg macht hier eine große Schlaufe, deren einziger Zweck ist ist, den Lake South America ansehen zu können (für all die Leute, die sich von der Aussage, der Harrison Pass sei wegen seiner Steilheit und eines Schneefeldes schlecht begehbar, abschrecken lassen). Das merken wir daran, daß er nicht mehr so gut ausgetrampelt ist wie bisher, und prompt verlieren wir den Pfad mehrfach aus den Augen. Gut, daß wir das GPS haben und Karten lesen können, so kommen wir dann nämlich trotzdem zum See (ätsch), wenn auch nicht unbedingt auf dem einfachsten und direktesten Weg. Dort erwartet uns ein Gewitter, was sich schon länger durch dunkle Wolken und verhaltenes Donnern angekündigt hatte. Naja, Berggewitter können ja durchaus ernst werden, also verkrümeln wir uns mitsamt unseren Rucksäcken im Schutz eines Felsblocks unter die Zeltplane und warten ab. Nach kurzem Regen sieht die Welt schon wieder heller aus und wir können in Ruhe das Zelt aufbauen und kochen. Dies wird unsere erste Übernachtung oberhalb der Baumgrenze und mit einem richtigen Bergpanorama - rundherum nur Felsen und Gipfel. Schade, daß wir kein Feuer machen dürfen (wäre auch aus Mangel an Holz recht schwierig geworden), denn es wird nach Sonnenuntergang ziemlich kühl (so kühl, daß wir keine Lust haben, draußen abzuwarten, bis das Thermometer in Physis Uhr sich lange genug an die Umgebung angepaßt hat, um eine realistische Temperatur anzuzeigen). Dann geht der Mond in unserem Rücken auf und beleuchtet die gegenüberliegenden Berghänge. Was will man mehr? - Einen warmen Schlafsack, und dahinein verkrümeln wir uns dann auch.

Zusammenfassung:
Strecke: 18 km
Profil: Rockslide Lake 2760m -> Junction Meadow 2400m -> Lake South America 3600m
Höhenmeter: 1180m hoch, 360m runter
Zeit: 9 Stunden




Noch keine Kommentare zu “Sequoia VIII - Lake South America”

Deine Meinung hierzu?

XHTML: Erlaubte Tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>