Sequoia XI - Rückweg und Steak

Nicht nur wir sind auf dem Rückweg, auch der Bär kommt von seinem nächtlichen Ausflug zurück. Zu unserer Enttäuschung hat es nachts keine Störungen gegeben, und die Bärenkanister stehen auch noch genau da, wo wir sie verlassen haben. Der Bär interessiert sich nicht die Bohne für uns und stellt sich auch nicht in eine passende Fotoposition - nur der Hintern wird auf einem Foto scharf, und da erkennt man nicht wirklich, worum es sich handelt. Wir interessieren uns auch schon fast nicht mehr für den Bären und lassen uns beim Frühstück nicht stören. Es gibt kein Brot mehr, also müssen wir Müsliriegel mit Nutella bestreichen. Die essbarsten Müsliriegel sind übrigens die, die für stillende Mütter gedacht sind und extra viel Calcium enthalten. Der Kocher funktioniert immer noch nicht, also gibt es auch keinen Tee. Auch gut, beschleuningt das Frühstück. Wasser haben wir vom Vorabend noch genug, also sind wir schon kurz nach acht Uhr unterwegs.

Gestern haben wir beschlossen, heute Abend, wenn wir zurück in St. Barbara sein werden, Steak essen zu gehen - jeder Schritt bringt uns also diesem Ziel näher! Bald erreichen wir die Stelle, wo wir vor sechs Tagen zum Sphinx Creek abgebogen sind, und bald danach die endlosen Serpentinen, wo die Maultiere sich verheddert hatten. Noch 3km Luftlinie - bald geschafft! Immer öfter begegnen uns Touristen ohne Rucksäche, aber mit pompösen Sonnenhüten oder um den Kopf gewickelten T-Shirts. Eine Fliegenplage gibt es hier, die Fliegen schwirren einem ständig um den Kopf - irgendwie werde ich den Gedanken nicht los, dass sie mich mit einem Misthaufen verwechseln… Und dann sind wir da, schade eigentlich, aber auch schön: Road’s End.
Eine frisch geputzte Toilette zum Hinsetzen! Ein Wasserhahn mit Trinkwasser! Eine (bärensichere) Mülltonne! (man kommt sich schon komisch vor, wenn man sein gebrauchtes Klopapier mit sich rumschleppt - wie war das mit dem Misthaufen?)

Zusammenfassung:
Strecke: 13 km
Profil: Charlotte Creek Camp Site 2100m -> Road’s End 1500m
Höhenmeter: 600m runter
Zeit: knapp 3 Stunden

Die paar hundert Meter bis zum Auto erscheinen plötzlich ziemlich viel. Aber dort sind die Wechselklamotten sehr willkommen. Endlich passen alle 3 Rucksäcke in den Kofferraum, dann geht’s mit offenem Verdeck (aber nicht mehr mit wehenden Haaren, ich bin ja lernfähig) los! Next Stop Cedar Grove, O-Saft, Postkarten, Sandwiches und Chips kaufen. Dort werden auch Kartoffeln verkauft, das Stück zu 89 Cent, und Power-Vitamintabletten (für jedes Vitamin oder Mineral eine, jede in einer anderen Farbe), das Set zu 1,09$. Amerika ist wunderbar.
Wir schlängeln uns den Canyon entlang, das Cabrio ist genau das richtige Auto dafür, aber wenn man kurz runterguckt, fühlt es sich an wie in der Achterbahn - meinen Magen hab ich wohl in der Kurve da hinten vergessen…

Bei den Giant Trees halten wir noch mal an, wie echte Touristen laufen wir den Rundweg lang zum General-Grant-Tree, welches der drittgrößte Baum der Welt sein soll. Noch bevor wir ausgerechnet haben, wie lang ein Block wohl ist, wenn der Rundweg eine Länge von 3 Blocks entsprechend 2/5 Meilen hat, sind wir wieder am Auto. Die Amerikaner scheinen Volumen danach zu messen, wieviele Millionen Tischtennisbälle in einen Baum passen…

Kaum daß wir wieder in tiefergelegenes Gebiet kommen, wird die Sonne unerträglich und das Dach muß zu und die Klimaanlage an. In Visalia gibt’s dann bei Subways footlong Sandwiches und ein Waschbecken mit Seife und fließend Wasser, genau das richtige für ausgehungerte Wanderer (ich falle irgendwie nicht in die Kategorie “ausgehungert”, denn ich schaffe nur einen kleinen Six-Inch Sandwich).

Trotztdem lockt die Aussicht auf das Steak, also schnell weiter. Unterwegs sehen wir noch einen Wald- oder Buschbrand, dessen Rauch sich weit verbreitet und die Sonne in tiefem Rot erscheinen lässt. Um halb acht kommen wir endlich in St. Barbara an, und die Dusche wurde wohl schon lange nicht mehr so intensiv genutzt (und der Abfluß hatte schon lange nicht mit soviel Sand und Dreck zu kämpfen… TMI - too much information - ich weiß).
Kurz vor neun stehen wir bei “Holdren’s” auf der Matte, der Warteschlange nach das beliebteste Steak-Restaurant in Santa Barbara. Die Wartezeit kann man sich mit einem Blueberry Martini verkürzen… das Steak ist saftig und lecker, und dazu gibt’s kalifornischen Rotwein (oder Eiswasser). Ein passender Abschluß für eine fantastische Tour.




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