Sequoia IV – Los geht’s

Gestern abend waren wir nochmal im Supermarkt, weiteren Reiseproviant kaufen. Ganz normales Essen ist hier im Supermarkt deutlich teurer als in Deutschland. Es haette sich wirklich gelohnt, moeglichst viel aus D mitzubringen statt hier zu kaufen: Muesliriegel gibt es bestenfalls “10 for 10″ – zehn Riegel fuer 10 Dollar. Kein Vergleich mit Aldi…

Mein Kumpel hat ein Zelt von Mountain Hardware: das Haven 3. Es wiegt knapp 3 Kilo. Wird allerdings ein bischen eng innen fuer drei Leute – nur 1,50 m breit. Ich hab’s im Garten gerade mal aufgebaut und wie schon vermutet fehlen ein paar Heringe. Also strampele ich nochmal per Rad in die Stadt zum “Mountain Air” Outdoor Shop, wo es original Mountain Hardware Heringe gibt. Der Hinweg ist immer schoen, es geht die ganze Zeit bergab, man kann sich rollen lassen und im Vorbeifahren die Geschaefte anschauen. Auf dem Rueckweg gibt’s bei Taco Bell was zu essen. Anschliessend – weil das ja nur ein Snack war – gehen wir zusammen nochmal richtig essen. Zum Glueck kann man hier ueberall die Reste mitnehmen – jetzt haben wir also ein Stueck Kaesekuchen im Kuehlschrank.

Dann geht’s ans Einpacken. Mein Rucksack ist endlich wieder trocken, und meinSchlafsack hat in der sonne tatsaechlich etwas von seinem unangenehmen Mueffel-Geruch verloren. Das Problem ist das Essen: wir haben gerade die ganzen kostbaren Trockenmahlzeiten verstaut, da sind die beiden Baerenkanister auch schon voll. Also faehrt mein Kumpel nochmal los, um einen weiteren zu kaufen. Derweile sollte ich mir vielleicht mal ueberlegen, wieviel Schokolade, Haferflocken und Muesliriegel tatsaechlich gebraucht werden, anstatt hier or mich hin zu tippen. Noch nicht mal mehr 2 Stunden, und wir muessen meinen zweiten Kumpel am Campus der Universitaet abholen, wo er an einer Konferenz teilgenommen hat. Bis dahin muss also alles verstaut sein.
Dann geht’s mit dem Auto nach Squaw Valley, das ca. 400 km weiter nord-nordwestlich von St. Barbara in der Naehe des Sequoja Nationalparks liegt. Dort werden wir in einem Motel uebernachten und dann am naechsten Morgen im Nationalparkbuero unsere Permits abholen und ab dann wird’s richtig anstrengend…

(Update 2006-09-11: Tippfehler korrigiert)


Sequoia III – Einkaufen und Ausschlafen

Es ist schon komisch, wenn man mitten in der Nacht putzmunter aufwacht und sich wundert, wieso es draussen nicht hell ist. Und warum es regnet, aber das war nur das Geraeusch des Rasensprengers.
Vor dem Fruehstueck ist die Welt noch in Ordnung. Zum Fruehstueck gibt es Orangen aus dem eigenen Garten. Danach begucke ich den Rucksack naeher. Und beschliesse, NIEMALS, NEVER EVER AGAIN isotonisches Getraenkepulver (ja, das mit echtem Zucker drin) mitzunehmen. Egal wie nahrhaft das Zeug ist. Das die geoeffneten Dosen sich nicht wieder richtig verschliessen lassen, hatte meine Bessere Haelfte ja schon im Fruehjahr in Irland ausprobiert. Dass aber die frisch gekauften, originalverschlossenen Dosen einfach so aufgehen, finde ich ein ziemlich starkes Stueck. Und es ist wirklich erstaunlich, wie es das Zeug schaft, sich auch bis in den letzten Winkel des Rucksackes, sogar bis in die Packsaecke und zusammengelegten Struempfe hinein, zu verbreiten. Das Buch, was im Rucksack war, klebt ganz furchtbar und sieht sehr aufgequollen aus. Der Papierumschlag, den ich immer vorsorglich um die Buecher mache, hat hier nur dazu gefuehrt, das das eklige Zeug noch besser am Buch haftet. Zum Glueck haben die Amis ja schoen schnelle Waschmaschinen, und ich brauche noch nicht mal Waschmittel, weil ja alles wasserloeslich ist. Und in der kalifornischen Sonne sollte es ja auch schnell wieder trocken werden (vielleicht haette ich die beiden Tueten mit Haferflocken trotztdem besser nicht abspuelen sollen…). Weil ich sonst nichts zum anziehen habe, rieche ich aber erst mal wie ein Zitronenbaum.
Von der kalifornischen Sonne ist erst mal noch nichts zu sehen, denn hier gibt es fast immer morgens Nebel.
Als ich endlich fertig bin mit Waesche aufhaengen und Rucksack duschen, ist die Sonne aber auch da, und ich mache mich mit einem geliehenen Fahrrad (das uebrigens viel leichter und toller faehrt als meins zuhause, obwohl es durchaus nicht so teuer aussieht) auf den Weg in die Stadt. Mein Kumpel hat auf dem Stadtplan die wichtigen Punkte markiert: sein Haus und zwei Outdoor-Laeden. Anders als in den meisten amerikanischen Staedten ist hier alles in Fahrrad-Entfernung erreichbar. Dieses outdoor-maessige Trockenfutter, dass es hier in der Tat in wesentlich mehr Varianten und farbenfroher Verpackung gibt, ist allerdings nicht ganz billig. Und “serves 2″ heisst laut Verkaeuferin nicht unbedingt “reicht fuer zwei ausgehungerte Wanderer, die den ganzen Tag nur Muesliriegel gegessen haben”, also kaufe ich fuer jeden Tag fuer jeden eine Packung “serves 2″. Und eine Flasche “biodegradable Soap”, mit der man sich selber, seine Haare und alles andere, was gewaschen werden muss, waschen kann.
Jetzt geht’s zum Sightseeing auf den Wharf, ein paar Postkarten kaufen und ein bischen in der Sonne sitzen. Wegen des Seewindes wird mir das dann aber zu kuehl. Wie von Mitbewohner meines Kumpels empfohlen fahre ich dann in einem Rundweg zum Hafen. Dort gibt’s zum Mittagessen Fish Tortillas mit Eistee. Sehr empfehlenswert. Der Rundweg geht weiter am Strand entlang und dann rechtwinklig landeinwaerts und bergan. Gleich wird es viel zu warm in der Sonne. Zum Glueck ist es nicht mehr weit bis zum Haus. Da kann ich mich beim Postkarten-Schreiben auf der Terasse in den Schatten setzen, Melone essen und kuehles Wasser schluerfen. Und diesen Beitrag schreiben.

(Update 2006-09-11: Tippfehler korrigiert)


Sequoia II – Anreise

Es ist in Deutschland schwieriger als man denkt, rechtzeitig zum Flughafen zu kommen. Dies ist schon das zweite Mal, wo mein Zug ueber eine Stunde Verspaetung hatte. Zum Glueck hatte ich wegen der aufwaendigen Sicherheitschecks am Flughafen einen Zug ausgewaehlt, der deutlich ueber drei Stunden vor Abflug am Flughafen sein sollte, so dass ich jetzt immer noch reichlich Zeit hatte. Abgesehen davon, dass die Sicherheitsbeamtin ausgespruchen zudringlich war beim Abtasten, hat man aber von dem ganzen Security-Theater nichts gemerkt – es gab noch nicht mal eine Warteschlange, weder am Check-in noch an der Sicherheitskontrolle.
Es waren im Flugzeug nur noch Fensterplaetze frei, und das hat mich eigentlich geaergert, weil ich lieber am Gang sitze, wo man sich eher mal bewegen kann. Aber als ich dann ueber Groenland aus dem Fenster geschaut habe (da war das Wetter uebrigens deutlich besser als in Deutschland – keine einzige Wolke weit und breit) fand ich den Fensterplatz dann doch sehr schoen. Dort koennte es mir auch gefallen – von oben natuerlich wenig zu erkennen ausser vielen Gletschern und weiter noerdlich einer einzigen grossen Schneeflaeche. Die Berge zwischendrin sind kahl, obwohl alles fast auf Meereshoehe liegt: man konnte sehen, wie die Gletscher bis ans Meer reichen, wo sie zwischen vielen kleinen Inselchen haufenweise Eisschollen und Eisberge produzieren. Bei einigen konnte man sogar vom Flugzeug aus erkennen, wie sie sich unter Wasser weiter ausdehen als sie ueber die Oberflaeche hinausragen.
Die Filmauswahl im Flugzeug war akzeptabel (ich habe “RV” und “She’s the man” angeschaut), und so habe ich weder die vorsorglich in grosser Menge ausgedruckten Sudoku-Raetsel noch die Buecher im Gepaeck wirklich gebraucht. Aber es war trotztdem gut, dass ich wenigstens 2 von 3 mitgenommenen Buechern in Handgepaeck hatte, aber dazu spaeter mehr. Auch das Essen war reichlich (2 Mahlzeiten und 2x Snacks fuer 8 Stunden Flug), so dass ich meine mitgebrachten Wurstbrote gar nicht angetastet habe. Erst als ich auf dem Zollformular sah, dass man Fleisch nicht einfuehren darf, habe ich das bedauert…
Ach ja, es emfpiehlt sich, wenn man ein durstiger Mensch ist, im Flugzeug immer Sprite oder was in Dosen zu bestellen, weil man dann naemlich 0.33 l bekommt, und bei losen Getraenken (Osaft, Wasser) nur immer ein Becherchen voll.
Die Landung in Chicago war puenktlich, nur die ganzen Formalitaeten (Gepack abholen, zur Einwanderungsbehoerde, Fingerabdruecke und Foto machen lassen, zum Zoll, zum agricultural office, das Wurstbrot abgeben, dann das Gepaeck wieder abgeben) haben so lange gedauert, dass von den zweieinhalb Stunden Umsteigezeit fast nichts mehr uebrig war. Obwohl der Flug Frankfurt-L.A. von der Fluglinie unter einer einzigen Flugnummer und als Direktflug verkauft wird, muss man in Chicago sogar zu einem anderen Terminal! Das geht aber mit dem Terminal Train oder wie das Ding heisst, problemlos, und die Bewegung schadet einem nach dem langen Sitzen wirklich nicht.
Also weiter geht’s, diesmal nur knapp vier Stunden FLugzeit, dafuer aber 40 Minuten Wartezeit, bis wir starten duerfen: das Flugzeug stand wirklich kurz vor dem Runwway in einer Warteschlange zwischen lauter anderen Flugzeugen. Wieder habe ich einen Fensterplatz, aber diesmal ist wenigstens mein anderer Plan aufgegangen: dadurch, dass ich einen Sitz ganz weit hinten bestellt habe, ist der Sitz neben mir leer, weil Flugzeuge scheinbar immer von vorn nach hinten besetzt werden.
Auch hier ist die Filmauswahl okay, wobei es nicht wirklich eine Auswahl ist, denn es wird nur ein einziger Film gezeigt: The Sentinel, editiert in einer Kinder- und Flugzeugbildschirmfreundlichen Weise.
Der Amerikaner 2 Plaetze neben mir kommt aus der Gegend und erklaert mir, was ich alles unbedingt noch anschauen muss, waehrend ich ueberlege, wie ich wenigstens das Einkaufen zwischen Aufwachen und Jetlag-Ausschlafen hinkriegen soll…
Das Flugzeug hat Verspaetung, und das Gepaeck kommt auch nicht eben rechtzeitig auf dem Laufband an, so dass ich schon ein bischen nervoes (aber wirklich nur ein bischen!) werde, ob es mit dem Bus-Anschluss noch klappt: ich muss naemlich noch bis Santa Barbara, wo mein Kumpel wohnt. 3 Minuten vor der angegebenen Abfahrtzeit des Busses habe ich endlich meinen Rucksack ergattert, nur um dann an der Haltestelle zu erfahren, dass das ja die Abfahrtzeit an Terminal 1 waere, und dies sei Temrinal 7, das wuerde noch einige Zeit dauern, bis der Bus hier sei. Ja, das tut es auch, und abends nach Sonnenuntergang ist es doch schon recht kuehl hier, aber immer noch kein Vergleich zu dem Bus, wo die Klimaanlage auf Hochtouren laeuft und ich erst mal meine Wollsocken auspacke. um Punkt 23:00 Uhr Ortszeit – das ist 7 Uhr morgens in Deutschland – kommt der Bus in Santa Barbara an und mein Kumpel holt mich ab. Im Halbschlaf packe ich mein Waschzeug aus – und entdecke eine ziemliche Schweinere im Rucksack, aber davon im naechsten Beitrag mehr. Schnarch.

(Update 2006-09-11: Tippfehler korrigiert)


Wandern im Sequoia National Park

Hallo, ich bin’s, Schlumpf. Dies ist mein erster Beitrag auf diesem Blog, und er hat noch nicht viel mit Outdoor zu tun, denn hier beschreibe ich erst mal die Vorbereitungen. Aber es wird Fortsetzungen geben, die dann hoffentlich fuer jeden outdoor-maessig genug sind.
Also ich habe vor 2 Wochen spontan beschlossen, mit 2 Kumpels in Kalifornien wandern zu gehen. 2 Wochen sind nicht gerade viel Zeit, um sich vorzubereiten: Flug buchen (ca. 700 Euro, von Frankfurt ueber Chicago nach L.A.). Rausfinden, ob man einen maschinenlesbaren Pass hat (ohne den man nicht mehr in die USA einreisen darf; ein vorlaeufiger Pass reicht auch nicht mehr). Urlaub beantragen (es empfiehlt sich, den Urlaub in 2 kleinen Stuecken zu buchen, weil dann der Chef vielleicht nicht merkt, dass man so kurzfristig so lange weg ist…). Permit fuer den Nationalpark beantragen – fuer unsere Strecke gibt es 25 Stueck pro Tag, wir kriegen 3 Wochen vorher gerade noch die letzten drei. Bahnfahrkarte zum Flughafen Frankfurt besorgen – je frueher desto billiger. Reisekrankenversicherung abschliessen (moeglichst eine, die den Transport vom Unfallort zum naechsten Krankenhaus bezahlt, wenn man vorhat, wohin zu wandern, wo Krankenhaeuser nicht gerade um die Ecke liegen). Ausruestung checken – dies ist glaube ich der erste Urlaub, fuer den ich nichts neues gekauft habe; hauptsaechlich, weil ich nicht genug Zeit hatte, und dann auch, weil die Tour so anspruchsvoll werden wird, dass ich sowieso kein zusaetzliches Gepaeck herumtragen moechte.
Mit der Tourenplanung muss ich mich zum Glueck gar nicht beschaeftigen, dass haben meine beiden Kumepls gemacht. Es soll in 6 Tagen 6000 Hoehenmeter und 120 km weit gehen, damit die meiste Zeit auf einer Hoehe von ueber 2000m. Da sind die Temperaturen jetzt im September nachts schon auf 0 Grad Celsius, also empfiehlt sich ein warmer Schlafsack. Ausserdem lange Unterwaesche, Tshirt, Hemd, Fleece, Wasser- und winddichte Jacke, Zipp-off Hose, Regenhose, Poncho, 2 Paar Wanderstruempfe, Handschuhe, Muetze, … und Essen fuer 6 Tage, verpackt in baerensicheren Containern. Die Baeren in dieser Gegend sind Schwarzbaeren (keine Grizzlies), die normalerweise fuer Menschen nicht gefaehrlich werden, da sie es nur auf das mitgebrachte Essen abgesehen haben. Aber es nuetzt einem wenig, wenn man sich 60km von der Zivilisation befindet und einem ein Baer gerade den gesamten Proviant weggefuttert hat…
Alles, was irgendwie riecht und/oder was essbar ist, muss in diesen Baerencontainern verstaut werden: Zahnpasta genauso wie Konservendosen!
Das Essen wollen wir grossenteils vor Ort einkaufen, so dass mein Rucksack noch erstaunlich leicht und leer ist, als er am Vorabend der Abreise fertig gepackt ist.

(Update 2006-09-11: Tippfehler korrigiert – Sequoia schreibt man mit “i” statt mit “j”)