Paddelurlaub in Schweden

Der Plan war simpel: eine Woche gemütlich Paddeln und danach noch eine weitere Woche Faulenzen in einer Hütte am Vänern. Leider wurde aus der ersten Woche ein neues Kapitel von “Warum mache ich so einen Mist eigentlich freiwillig?”.

Planung

Mal wieder ein Urlaub, der komplett im Internet geplant und gebucht wurde. Wir mieten die Kanus bei naturarvskompaniet.se, den Wagen bei hertz.com, fliegen mit RyanAir und buchen die Hütte bei Dansommer über tbooker.de.

26.5./27.5. - Anreise

Warum eigentlich Mietwagen?
Der Kanuvermieter hat uns auch angeboten, uns vom Bahnhof Söderbärke abzuholen. Nur wäre das Abholen teurer geworden als eine Woche ein Auto zu mieten und wir hätten dazu noch rauskriegen müssen, wie wir überhaupt per Zug von Göteborg nach Söderbärke kommen.

Eigentlich hat alles ja ganz gut begonnen. Mit dem Auto nach Frankfurt/Hahn und von dort (wer hätte es erraten?) mit RyanAir nach Göteborg. Ankunft Göteborg (wie immer bei RyanAir vor dem Zeitplan - wie machen die das eigentlich?) 17:20.
Das Ausladen des Gepäcks dauert dann aber ewig. Als wir endlich am Bürocontainer von Hertz ankommen, ist vor uns natürlich schon eine Schlange und nur ein - zwar ziemlich netter, aber leider gnadenlos überforderter - Mitarbeiter, so daß wir erst gegen 19:30 endlich das Auto beladen und uns auf der schwedischen “Autobahn” Richtung Örebro aufmachen. Bei der ersten Tankstelle kaufen wir erstmal etwas Proviant ein und nach drei Versuchen finden wir auch noch einen hilfsbereiten Tankwart, der sich nicht beschwert, weil ich nur 1l für den MSR-Kocher tanken will und mir dabei auch noch hilft (Merken für’s nächte Mal: einen kleinen Trichter mitnehmen!).

Eigentlich sind es nur knapp 380km von Göteborg nach Kloten. Nur ist leider fast die komplette Strecke nur 90km/h erlaubt und dazu gibt es alle paar Kilometer auch noch Radarkontrollen. Kurz vor Örebro übernachten wir auf einem Rastplatz und fahren am nächsten Morgen noch etwa ein Stunde, bis wir endlich in Kloten ankommen.

Der erste Blick auf die Seen verspricht einen wunderschönen Urlaub: weite Seen und kein Mensch weit und breit zu sehen.


27.5. - Los geht’s

Kanuverleih
Mikael.Nilsson@naturarvskompaniet.se
naturarvskompaniet.se
+ 46 (0)580 31007
+ 46 (0)70 2551984

Kanu ausleihen und beladen geht fix, da wir schon fast alles in Packsäcken verstaut haben. Mikael, der Besitzer des Kanuverleihs, ist sehr hilfsbereit und begleitet uns zuerst noch Richtung Einsetzpunkt am Skogbyn. Als wir erwähnen, daß zumindest Ute weiß was sie tut, wünscht er uns noch viel Spaß, dreht um und schickt nur seinen sehr netten Sohn Thor mit, um uns die Stelle zu zeigen.

Bis auf Kleinigkeiten hätte der Urlaub bisher nicht besser verlaufen können. Das Wetter ist perfekt: kühl aber strahlend blauer Himmel und nur ein leichter Wind.

Wir paddeln langsam Richtung Norden über den Skogbyn, ein Stück über den Långvattnet und biegen dann nach Nordwesten ab Richtung Stora Korslången. Nach einer kurzen Portage fahren wir noch ein paar Minuten weiter und beenden dann am Südende des Stora Korslången nach etwa 7,5km unsere erste Tagesetappe an einem der vielen Rastplätze.
Der Rastplatz besteht aus einer kleinen Holzhütte und einer Feuerstelle auf einer großen Wiese, auf der wir noch ein letztes mal die Sonne genießen.

28.5. - Regen und Wind

In der Nacht wird es kühl und fängt an zu regnen. Als wir aufstehen, weht schon ein ziemlicher Wind aus Richtung Norden, der Richtung, in die wir weiter wollen. Im Laufe des Morgens wird der Regen nur noch stärker, aber wir brechen trotzdem auf. Zuerst folgen wir einer Bucht nach Osten, in der Hoffnung, etwas Windschatten zu kriegen, aber Paddeln bei Seitenwind ist auch nicht besonders angenehm. Windschatten kriegen wir dann auch ein bischen als wir wieder zurückpaddeln, dafür sind wir nach 1h nur ein paar hundert Meter von unserem Ausgangspunkt einfernt. Als wir dann wieder aus der Bucht raus auf den Stora Korslången kommen um weiter Richtung Norden zu fahren, bläst uns der Wind die ganze Zeit Regen ins Gesicht. Eigentlich wollten wir ja eine längere Strecke fahren, aber wir beschließen nach 6,5km am Rastplatz Risviken, etwas südöstlich von Bredsjö hytta, zu rasten. Der Rastplatz hat diesmal sogar eine noch größere Hütte mit einem Tisch und zwei Bänken darin und (welch ein Luxus) ein Klohäuschen.

29.5. - Wolken und Nieselregen

Dienstag sieht zuerst gar nicht so schlecht aus: es regnet nicht und es weht auch kein Wind. Deswegen brechen wir relativ früh auf, fahren am Nordende des Stora Korslången Richtung Westen und erreichen eine weitere Umtragestelle (hier ist übrigens ein Fehler auf der Karte: die Umtragestelle ist ca. 500m weiter südlich an der Engstelle auf Höhe des Rastplatzes) zum Norra Bredsjön. Wir umfahren den See gegen den Uhrzeigersinn, wobei jetzt der Wind aus Norden auffrischt und es auch wieder Wellen gibt, die dafür sorgen, daß es auch heute nicht besonders angenehm ist, zu paddeln.

Am Südzipfel des Norra Bredsjön legen wir an und kochen unser Mittagessen. Beim Blick auf den See erkennen wir, das weder Wind noch Wellen weniger geworden sind. Wir fahren trotzdem weiter, es regnet ja zumindest nicht. Also wieder zurück an die uns schon bekannte Umtragestelle und dann auf dem Stora Korslången Richtung Süden. Der Wind bläst immer noch aus Norden, so daß wir endlich auch mal etwas davon haben.

Wir folgen diesmal nicht der empfohlenen Paddelroute, sondern bleiben am Westufer. Deswegen müssen wir uns mit ein paar kleineren Navigationsprobleme rumschlagen, da wir an einen Haufen kleine (auf der pdf Karte nicht eingezeichnete) Inseln umfahren müssen. Trotzdem macht es das erste Mal seit zwei Tagen wieder Spaß, Kanu zu fahren. Als wir um die letzte Landzunge biegen und endlich unser Tagesziel erkennen können, müssen wir feststellen, daß dort leider schon jemand anderes rumrennt. Deswegen beschließen wir, zum nächten Rastplatz zu fahren. Aber schon nach ein paar hundert Metern erkennen wir auf einer Insel neben uns eine Feuerstelle. Wir legen an und beschließen nach kurzer Beratung, daß diese Stelle auch gut zum Übernachten geeignet ist, auch wenn es diesmal keinen festen Unterstand gibt.

30.5. - Noch mehr Wolken und noch mehr Regen

In der Nacht fängt es wieder an zu regnen und macht auch keine Anstalten, damit am Morgen aufzuhören. Wir bleiben bis 11:00 im Zelt und planen das weitere Vorgehen. Als der Regen nachlässt, stehen wir dann doch endlich auf und fahren los. Leider setzt kurze Zeit später wieder ein konstanter Nieselregen ein, der in Kombination mit der Kälte dafür sorgt, daß wir nach etwa 1,5km wieder anlegen um unser Mittagessen zu kochen. Die Hütte, in der wir dies tun, liegt keine 500m von unserer ersten Übernachtungsstelle entfernt am Südende des Stora Korslången. Vor allem aufgrund meiner mangelnden Motivation beschliessen wir, uns an diesem Tag nicht weiter zu bewegen.

31.5. - Wolken und nur ein bischen Regen

Wir stehen um 9:00 auf und brechen gegen 10:00 auf. Wir sind schon glücklich, daß es nur dicht bewölkt ist, aber immerhin nicht regnet. Zuerst paddeln wir das Stück, daß wir schon vom ersten Tag kennen, zurück.
Wieder Umtragen bei Korslångsmedia. Hier kommen wir an ziemlich vielen Seerosen vorbei, die uns am ersten Tag nicht aufgefallen sind. Auf dem Långvattnet biegen wir diesmal nach Norden ab und paddeln bei mäßigem Gegenwind Richtung Norden nach Nyfors. Dort stocken wir unsere Voräte in einem kleinen Tante-Emma-Laden auf. Den gekaufte Butterkuchen vernichten wir auch gleich wieder mit einem heißen Kaffee.

Es wäre ja zuviel verlangt, wenn wir einen regenfreien Tag kriegen würden und deswegen setzt nach unserer Pause auch der Regen wieder ein. Zum Glück geht es jetzt dank Rückenwind ziemlich fix. Wir fahren die Strecke vom Morgen wieder zurück Richtung Süden und halten Ausschau nach einem Rastplatz, der laut Karte auf der Westseite des Långvattnet sein sollte.
Die Ausschau ist erfolglos, deswegen fahren wir noch weiter und kommen nach 800m an einem weiteren Rastplatz an, den wir am Morgen schon gesehen haben. Wieder eine große und relativ neu aussehende Holzhütte und diesmal sogar mit Blick auf den See. Einziges Manko hier: die Stämme, die um die Feuerstelle liegen, sind so geschickt plaziert, daß der vom Dach tropfende Regen genau im Genick landet.
Am Abend bekommen wir noch besuch von einer Entefamilie mit sieben oder acht Küken, die ungestört von uns direkt am Ufer gründeln.

1.6. - Blauer Himmel und Sturm

Am nächsten Morgen steht Ute schon um 8:00 auf und paddelt erstmal zu den Orchideen, die sie am Abend zuvor schon entdeckt hat um noch ein paar Bilder zu machen. Nachdem ich dann auch aufgestanden bin und alles gepackt ist, fahren wir nochmal bei den Orchideen vorbei, so daß ich sie auch bewundern kann.

Dann geht es weiter den Långvattnet gen Süden nach Kloten. Der Wind wird langsam stärker, wir kommen sehr schnell voran und zu unserer Freude klart es auf. In Kloten machen wir bei Mikael noch eine Pause, geniessen die Sonne und gönnen uns ein Eis.

Nach der Pause setzen wir das Kanu im Lilla Kloten ein und fahren Richtung Süden. Der Wind ist mittlerweile so stark geworden, daß er schon störenden Wellen gibt. Humoristischer Höhepunkt des Tages: etwa 10 Meter vor uns versucht eine Ente zu Landen, schlägt aber mit dem Hintern zu erst an einem Wellenkamm auf. Sie prallt ab, dreht sich im Flug, so dass ihr Kopf nach unten und das Gesäß nach vorne zeigt. Nach einigen wilden Flügelschlägen schafft sie es dann aber trotzdem bei zweiten Versuch mehr oder weniger kontrolliert zu landen. Leider ging das Ganze zu schnell, so daß ich kein Foto machen konnte.

Wir fahren weiter Richtung Süden, der Wind ist mittlerweile so stark geworden, daß wir nur noch nah am Ufer fahren und versuchen, jeden Windschatten, den uns eine Insel bietet, auszunutzen. Quer zum Wind zu Fahren ist jetzt fast unmöglich, deswegen legen wir an und machen eine Stunde Pause, in der Hoffnung, daß der Wind nachlässt.

Leider tut er uns diesen Gefallen nicht, so daß wir nach längerem Überlegen beschließen, zwischen Lilla und Storra Kloten zu queren, auch wenn es bedeutet, daß wir damit zwischenzeitlich sehr weit weg vom Ufer sind. Das Ganze geht gut, auch wenn wir ziemlich durchgeschüttelt werden und uns ein paarmal eine Welle ins Boot läuft. Aber nachdem wir das Ostufer erreicht haben, können wir dort den Windschatten geniesen und gemütlich zu unserem Tagesziel paddeln. Kurz nach unserer Ankunft dort legt sich der Wind dann auch und wir können noch einen entspannten Abend am Strand mit schönem Sonnenuntergang genießen.
Komischerweise hatten wir die letzten Tag nie Probleme mit Schnaken, die ja normalerweise in Schweden eine Landplage sind. Leider sollte sich das am letzten Abend auch noch ändern, aber erst nachdem wir uns schon in die Schlafsäcke verkrochen hatten, so daß es noch einigermaßen erträglich war.

1.6. - Sonnenschein zum Abschluß

Am nächsten Morgen haben wir zum ersten Mal im Urlaub den Wecker gestellt, so daß wir um 7:30 aufstehen, packen und bei traumhaftem Sonnenschein und leichtem Gegenwind zurück Richtung Kloten paddeln. Dort kommen wir um 9:50 an, putzen noch das Kanu und machen uns dann auf den Weg in Richtung des Ferienhauses, daß wir für die zweite Woche unseres Urlaubs gemietet haben.




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