Mein Urlaub in den Ruby Mountains dauerte nur zwei Tage und ich muß leider zugeben, daß ich vorher nicht optimal geplant habe. Aber nochmal ganz von vorne…
On the road
Freitag nachmitag gegen 17:00 fährt mich Manuel zu Alamo um meinen Mietwagen abzuholen. Ein paar Minuten später bin ich unterwegs - über Sacramento und Reno nach Elko. Am Anfang bin ich ueberascht, daß noch recht wenig auf dem Highway los ist. Das ändert sich leider nach ein paar Minuten als ich auf die I-880 komme. Von hier an kämpfe ich mich durch dichten Verkehr und die ersten 120 Meilen nach Sacramento dauern 3 Stunden.
Kurz hinter Sacramento gönne ich mir ein Abendessen im In’n'Out. Der Highway ist leider nur noch zweispurig und irgendwie bekomme ich den Eindruck, daß Amerikaner noch schlimmer sind als Holländer. Sie besitzen noch größere Wohnwägen und Wohnmobile und fahren noch schlechter Auto. Zum Glück sind die meisten davon scheinbar unterwegs nach Lake Tahoe oder haben keine Lust, die ganze Nacht durchzufahren. Etwa ab Reno gehöhrt mir der Highway fast alleine und ich fahre noch bis etwa 0:30 Uhr. Seit Sacramento habe ich damit nochmal etwa 280 Meilen geschafft und diesmal in knapp 4 Stunden.
Ich muß jedes mal grinsen, wenn ich am Straßenrand ein “Speed enforced by aircraft”-Schild sehe und mir Vorstelle wie eine Ju 87 oder A 10 Geschwindigkeitssünder wie mich einfach von der Straße bombt.
Zum Glück gibt es hier auch vereinzelt Rastplätze (an der I-80 etwa alle 30 bis 50 Meilen) und ich gönne mir ein paar Stunden Schlaf. Leider wird es schon viel zu früh hell und ich versuche ab 6:00 Uhr erfolglos, nochmal einzuschlafen.
Elko
Gegen 8:00 Uhr gebe ich es auf und fahre das letzte Stück bis Elko. Dort suche ich mir einen Starbucks, um nochmal schnell online zu gehen, und muß leider feststellen, daß nicht alle Starbucks mit WiFi ausgestattet sind. Zum Glück gibt mir ein anderer Gast den Tip, daß es im Moxie Java am anderen Ende von Elko WiFi gibt. Moxie Java ist eine Kombination aus Tante Emma Laden und Cafe. Das Geschäft scheint leider nicht besonders gut zu laufen, ein Zettel weist darauf hin, daß sie am 31.5. schließen.
Nach einem Kaffee fahre ich weiter zum National Forest Office, das aber leider am Wochenende geschlossen hat. Danach geht es weiter durch den Lamoille Canyon zu einem Parkplatz am Ende des Canyons. Dort kriege ich den ersten Schreck, als ich die Menge Schnee sehe, die neben der Straße liegt. Wie man auf dem Photo deutlich sieht, ist die Schneedecke hier mehr als 1m dick. Ein Teil davon kommt vermutlich von der Straße, aber es ist trotzdem eine Menge. Nach etwas Überlegung mache ich mich trotzdem auf den Weg, aber statt meiner Fleecejacke packe ich doch lieber meine Daunenjacke ein.
Direkt am Parkplatz stecken noch einige Stangen im Schnee, die einen Weg andeuten. Aber schon nach ein paar hundert Metern ist es unmöglich zu erkennen, wo der Weg langführt. Ich marschiere einfach grob in die selbe Richtung weiter. Das Tal ist nur ein paar hundert Meter breit und ich kann damit nicht weit vom Weg abkommen.
Laut der Wegbeschreibung auf rubymountains.net führt der Weg hier in Serpentinen der Berg hoch, aber ich nehme doch lieber die direkte Variante. Es ist bewökt und für etwa ein paar Minuten gebe ich mich der Illusion hin, der einzige zu sein, der hier unterwegs ist. Eigentlich weiss ich es besser, da ich noch ein paar weitere Autos mit Anhängern am Parkplatz gesehen habe. Leider werde ich lautstark darauf hingewiesen, daß die Besitzer hier mit ihren knatternden Schneemobilen unterwegs sind und freue mich die nächsten Stunden, wenn die Dreiergruppe mal wieder hinter einem Hügel veschwunden ist und man sie für ein paar Minuten nicht mehr hört.
Da immer noch nichts vom Weg zu erkennen ist, nehme ich die kürzeste Route und kämpfe mich nach oben. Es ist ziemlich anstrengend, da ich bei jedem Schritt mindestens 5cm tief in den Schnee einsinke. Ich habe die freie Auswahl, wohin ich laufe, und in der Hoffnung auf bessere Aussicht und weil der Weg erstmal nicht so steil ist, biege ich deswegen nach Westen ab und folge nicht dem Tal Richtung Liberty Pass. Nachdem ich mal wieder auf der Karte nachgeschaut habe, wo ich bin, faellt mir auf, dass ich wahrscheinlich schon über einen oder zwei der Seen gelaufen bin, ohne es zu merken.
Weiter Richtung Osten laufend stapfe ich einen steilen Hang hoch und muß dabei Stufen in den Schnee treten um nicht wieder runterzurutschen. Etwa auf halbe Höhe kommen mir zwei Skifahrer mit Touring-Ski entgegen. Die beiden sind scheinbar genauso überascht wie ich, daß hier noch andere Verückte unterwegs sind. Wir unterhalten uns kurz und dann fahren sie weiter ab ins Tal. Etwas weiter bergauf finde ich eine ebene Stelle zwischen ein paar Bämen und da ich mittlerweile ziemlich erschöpft bin, mache ich erstmal eine kleine Pause und geniesse die Aussicht. Unter mir sehe ich, wie die Schneemobile endlich zum Parkplatz zurückfahren und Ruhe im Tal einkehrt.
Mir gefällt die Aussicht und ich beschliesse, daß ich hier mein Zelt aufschlagen werde. Leider habe ich nur 2 Heringe dabei, die auch im Schnee Halt geben (Nordisk Titan) und deswegen muß ich mir ein paar Steinen und den übrigen Heringen improvisieren, bis das Zelt einigermaßen steht. Das Ergebnis ist leider nicht stabil genug um das Zelt richtig abzuspannen. Es was den ganzen Tag nicht besonders windig, deswegen mache ich mir keine großen Sorgen. Danach packe ich die Therma-Rest und den Schlafsack aus und gönne mir ein kleines Nickerchen.
Ich wache eine Stunde später wieder auf, koche mir Turkey with Mashed Potatoes and Stuffing (sehr lecker!) und genieße die Ruhe. Danach spaziere ich noch ein bischen umher und überlege mir, wo ich morgen hin will. Bei Anbruch der Dämmerung lege ich mich wieder ins Zelt, packe die Ausdrucke von rubymountains.net aus und lese die Wegbeschreibungen, die leider fast nichts mit der Realität zu tun haben. Wege kann ich nicht erkennen und alle Seen sind noch zugefrohren und zugeschneit.
Über Nacht wird es leider windig und ich bereue, daß ich mir nicht mehr Mühe gegeben habe, mein Zelt abzuspannen. Ich werde ein paar Mal durch Böhen geweckt, die meine Zeltwand laut knattern lassen. Aber irgendwie schaffe ich es doch, ein paar Stunden Schlaf zu kriegen, und fühle mich am Morgen sogar fast ausgeschlafen. Bevor ich aufstehe, grüble ich nochmal über meine weiteren Pläne und entscheide mich dazu, zurück zum Auto zu gehen. Ich bin einfach nicht darauf vorbereitet bei geschlossenen Schneedecke zu zelten.
Bevor ich zum Auto zurückkehre, will ich noch den Kamm, zu dem ich mich jetzt schon fast hochgekämpft habe, erklimmen. Mein Gepäck lasse ich im Zelt liegen. Aber selbst ohne Gepäck wird es ziemlich anstrengend. Die Steigung ist hier bestimmt 45 Grad. Ich muß mir für jeden Schritt eine Stufe in den Schnee treten und machmal sogar die Hände zur Hilfe nehmen. Aber die Ausicht ist die Anstrengung wert. Der Kamm ist hoch genug, daß ich über die Kette im Osten hinweg die Ebene dahinter und die nächste Bergkette erkennen kann. Es ist bewölkt, aber die Fernsicht ist trotzdem recht gut und für die nächsten 20 Minuten klettere ich auf dem Kamm herum, bis mir das ganze langweilig wird und ich wieder zu meinem Gepäck absteige.
Der Weg runter ist zwar nicht annähernd so anstrengend, aber ich muß mich trotzdem auf jeden Schritt konzentrieren, um nicht abzurutschen. Beim Abstieg erkenne ich im Tal ein Stelle, bei der wohl jemand sich durch den Schnee bis zur Oberfläche eines der Seen durchgegraben hat, wahrscheinlich zum Eisfischen.
Ansonsten ist der Rückweg nicht besonders spannend. Mein Timing ist gut. Kurz nachdem ich am Auto ankomme, parken neben mir zwei Autos mit jeweils einem Schneemobil auf dem Anhänger. Ich fahre los, bevor sie wieder losknattern.
Ich hatte zwei schöne Tag in den Ruby Mountains und kann sie als Wanderziel nur empfehlen. Ich vermute, daß bei schönem Wetter mehr los ist, aber da man sich zu Fuß bewegen muß, wird es mit Sicherheit nie von Touristenmassen überlaufen werden.
Nachdem ich wieder zurück in der Zivilisation bin, habe ich etwas gegoogelt und auch eine Seite gefunden, die mir die Schneehöhe vorher veraten hätten, der Ruby Mountain Road & Snow Report. Dort kann man auch lesen, daß letztes Jahr um die selbe Zeit deutlich weniger Schnee lag und ich das Ganze wohl unter “Pech gehabt” verbuchen muß.