(Dies ist der Report des zweiten Tags meines Desolation Wilderness Wochenendes, am Tag davor haben wir Mt. Tallac bestiegen)
Nach der Tour auf Mt. Tallac und einer erholsamen Nacht wache ich gegen 7:00 auf und merke sofort, daß der Rest ist schon wach ist. Dank Ohrenstöpseln habe ich davon aber davor nichts mitbekommen. Die Luft im Innenzelt ist unangenehm kalt und es kostet viel Überwindung, mich aus meinem mollig warmen Schlafsack zu wagen.
Als erstes freue ich mich über meine gute Idee, meine beiden Trinkflaschen mit ins Zelt zu nehmen und nicht draussen liegen zu lassen. In der Flasche, die ich in der Apsis liegen hatte, schwimmt zwar etwas Eis, aber das ist harmlos im Vergleich zu den komplett durchgefrohrenen Trinkflaschen der anderen. Damit melde ich mich zum Kaffeekochen während die anderen ihre Flaschen auftauen. Nach einem erstaunlich leckeren Frühstück aus steinhartem Baguette und Rührei mit Schinken packen wir die Rucksäcke und machen uns gegen 8:30 auf den Weg.

Grass Lake ist am Ufer gefrohren
Die gestrige Tour war doch etwas länger und anstrengender als geplant, deswegen entscheiden sich alle außer Johannes, Kirsten und mir heute nicht nochmal cross-country einen Weg zu Pyramid Peak zu suchen sondern lieber eine Tour auf “richtigen Wegen” zu machen.
Wie gestern schon klettern wir erstmal die Geröllhalde im Südwesten des Camps hoch, doch diesmal geht es nicht nach Westen um den See sondern weiter nach Süden. Hier kommen wir endlich in der Sonne und es wird sofort mollig warm. Aber trotz Sonne kommen wir an einigen Eisflächen vorbei und uns wird klar, daß wir hier auf keinen Fall bei Dunkelheit absteigen wollen. Nach ein paar Minuten finden wir einen ausgetretenen Weg, dem wir für ein paar Minuten folgen, bis er sich wieder in Luft auflöst.
Wir peilen einen Pass im Süden an und der Weg dorthin ist relativ einfach, meistens über große Felsbrocken. Nur ab und zu müssen wir uns durch ein Gebüsch kämpfen und kommen ohne nennenswerte Probleme den Hang hoch.
Dort sehen wir zum ersten mal Pyramid Peak und von hier an geht es nicht mehr über Geröllfelder sondern durch lichten Wald, so dass wir jederzeit kontrollieren können, daß wir in die richtige Richtung laufen.
Unter uns liegt Lake Aloha, den wir südlich umgehen. Dabei müssen wir zig-zag einen Weg durch das Seelabyrinth zwischen American Lake und Channel Lake suchen. Aber wie schon am Vortag, wird uns auch diesmal klar, daß wir keine Chance haben, rechtzeitig Pyramid Peak zu besteigen und bei Tageslicht zurück im Camp zu sein. Deswegen belassen wir es dabei den scheinbar unbenannten Gipfel zwischen American Lake und Pyramid Lake zu besteigen. Dort geniessen wir die Sonne und unseren Proviant und machen uns gegen 12:30 wieder auf den Rückweg.


Wie schon auf dem Hinweg, balancieren wir ueber einen Baumstamm und über einen schmalen Felsgrat bis wir durch das Wirrwarr von Seen zurückfinden. Wir halten wir uns beim Aufstieg zum Pass etwas zu weit westlich und besteigen damit aus Versehen noch den unbenannten Gipfel nordwestlich des Jabu Lakes.
Mit dem Abstieg verabschieden wir uns auch von der Sonne und es wird sofort spürbar kälter. Obwohl wir uns beeilen schaffen wir es trotzdem nicht mehr, aus dem Schatten herauszukommen.
Das Geröllfeld herunterzukommen ist deutlich schwieriger als herauf und zusammen mit der Erschöpfung nach etwa 7 Stunden auf den Beinen sorgt es dafür, daß wir nur sehr langsam vorankommen. Ziemlich genau nach 8 Stunden kommen wir aber doch erschöpft zurück ins Camp.
Schnell bauen wir unsere Zelte ab, stopfen alles in die Rucksäcke und trotten los. Von hier aus ist es noch etwa eine Stunde zurück zum Parkplatz und diese Stunde zieht sich.
Vor allem Kirsten ist sichtbar am Ende, so daß Johannes ihren riesigen und viel zu schweren -20F Schlafsack trägt und ich ihren Rucksack übernehme. Mit diesem Zusatzgepäck bin ich auch kurz davor umzufallen als wir endlich mit dem letzten Tageslicht den Trailhead erreichen.
Zur Belohnung fahren wir noch nach South Lake Tahoe und essen dort ausgiebig zu Abend. Nach so einem Wochenende schmeckt ein Steak natürlich besonders gut. Auf dem Rückweg ignoriere ich konsequent jede Geschwindigkeitsbeschränkung und falle nach 3 Stunden todmüde in mein Bett.